Zuerst: Cloud-Papierkorb prüfen

Bevor Sie sich um lokale Datenrettung kümmern, lohnt ein Blick in die Cloud: OneDrive, Google Drive und iCloud Drive haben jeweils einen eigenen Papierkorb, der unabhängig vom Windows- oder Mac-Papierkorb funktioniert. Wurde eine Datei aus einem synchronisierten Cloud-Ordner gelöscht, landet sie zusätzlich im Online-Papierkorb des jeweiligen Dienstes – dort meist bis zu 30 Tage lang wiederherstellbar, oft ganz ohne Software. Prüfen Sie also zuerst in der Weboberfläche von OneDrive, Google Drive oder iCloud.com, bevor Sie weitere Schritte unternehmen.

Windows: Papierkorb geleert

Der Windows-Papierkorb liegt technisch im versteckten Ordner $Recycle.Bin auf jedem Laufwerk und hat standardmäßig eine Größenbegrenzung (meist ein Prozentsatz der Festplattengröße). Wird der Papierkorb über „Papierkorb leeren" geleert, entfernt Windows lediglich den Verweis auf die Datei – die eigentlichen Daten bleiben auf der Festplatte oder SSD liegen, bis der Speicherplatz von neuen Dateien überschrieben wird. Genau das macht eine Wiederherstellung mit geeigneter Software in vielen Fällen noch möglich.

Mac: Papierkorb geleert

Auch beim macOS-Papierkorb gilt: Nach „Papierkorb endgültig leeren" sind die Dateien zunächst nur als gelöscht markiert, der Speicherplatz aber noch nicht zwingend überschrieben. Eine Besonderheit bei neueren Macs mit SSD und aktiviertem FileVault beziehungsweise TRIM ist, dass das System gelöschte Blöcke aktiv und automatisch für neue Schreibvorgänge freigibt – dadurch sinkt die Erfolgschance einer Wiederherstellung mit der Zeit deutlich schneller als bei klassischen Festplatten.

Schritt für Schritt

Gerät sofort nicht mehr nutzen

Beenden Sie Downloads, Installationen und Speichervorgänge auf dem betroffenen Laufwerk. Jede neue Datei kann den Speicherbereich der gelöschten Dateien überschreiben.

Cloud-Papierkörbe kontrollieren

Prüfen Sie OneDrive, Google Drive und iCloud Drive online auf einen eigenen Papierkorb, falls die Datei in einem synchronisierten Ordner lag.

Wiederherstellungssoftware nutzen

Eine spezialisierte Software durchsucht den Datenträger nach den ursprünglichen Dateiresten und stellt sie an einem anderen Speicherort wieder her.

Auf externem Ziel speichern

Speichern Sie wiederhergestellte Dateien niemals auf demselben Laufwerk, sondern auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick.

Häufige Fragen

Bei „normalem" Löschen wandert die Datei erst in den Papierkorb und wird von dort aus erst durch „Papierkorb leeren" endgültig entfernt. Mit Umschalt+Entf (Windows) oder Cmd+Alt+Entf (Mac) wird der Papierkorb komplett übersprungen – der Verweis auf die Datei wird sofort entfernt. Technisch ist der Endzustand auf dem Datenträger derselbe: In beiden Fällen bleiben die Rohdaten zunächst erhalten, bis sie überschrieben werden, eine Wiederherstellung ist also grundsätzlich in beiden Fällen möglich.

Eine feste Frist gibt es nicht – entscheidend ist, wie stark der Datenträger nach dem Löschen noch genutzt wurde. Auf einer wenig genutzten Festplatte können Dateien wochenlang wiederherstellbar bleiben, auf einer stark ausgelasteten SSD mit aktivem TRIM kann der Speicherbereich dagegen schon innerhalb von Stunden bis Tagen automatisch freigegeben und überschrieben werden. Cloud-Papierkörbe wie bei OneDrive oder Google Drive haben dagegen eine klar definierte Aufbewahrungsfrist von meist rund 30 Tagen.

Ja, für viele Standardfälle reicht eine Wiederherstellungssoftware, mit der Sie die betroffene Festplatte oder SSD scannen und gefundene Dateien selbst exportieren. Eine solche Software ist beispielsweise Recoverit von Wondershare, das gelöschte Dateien nach einem Papierkorb-Leeren erkennen und wiederherstellen kann. Bei physisch beschädigten Datenträgern oder sehr wichtigen Daten ist der Gang zu einem spezialisierten Datenrettungslabor die sicherere Wahl.